Die Abbruchbranche in Deutschland, und damit auch der Deutsche Abbruchverband, haben das abgelaufene Jahr 2020 im Großen und Ganzen gut oder sogar sehr gut bewältigt. Von den in anderen Branchen anzutreffenden Massenentlassungen oder Kurzarbeit im großen Stil ist die Abbruchbranche bislang verschont geblieben. Im Wesentlichen sind die Baustellen nahezu reibungslos weitergelaufen.

So funktionieren die praktische Umsetzung der nun erforderlichen Hygiene- und Abstandsregeln auf den Baustellen und auch die Nutzung neuer Arbeitsmethoden problemlos. Alles in allem hat die Branche die praktischen, organisatorischen und wirtschaftlichen Herausforderungen der Corona-Krise bislang sehr gut gemeistert.

Wie lange das noch so weitergehen wird, wissen wir natürlich nicht. Die Annahmen reichen von einer unverändert guten Auftragslage bis zu einem bemerkbaren Rückgang privater Aufträge und öffentlicher Ausschreibungen. Üblicherweise treten gesamtwirtschaftliche Entwicklungen, im Positiven wie im Negativen, in der Abbruchwirtschaft mit ungefähr zweijähriger Verzögerung ein. Damit könnten wir auch für 2021 noch auf ein für unsere Branche gutes Jahr hoffen. Unsere Fachtagung Abbruch im März in Berlin haben wir für 2021 aus Verantwortung noch abgesagt. Die Branche lechzt jedoch, das zeigen alle Gespräche die wir geführt haben, förmlich wieder nach Branchen-Events mit persönlichen Begegnungen. Wir gehen von einer Durchführung unserer Veranstaltung am 11. März 2022 aus.

Unsere Baustellen sind die Rohstoffquellen der Zukunft, Stichwort „urban mining“. Warum? Die jetzt zum Abbruch anstehenden Gebäude stammen ganz überwiegend aus den 1970er und 1980er Jahren. Ein Zeitraum, in dem aus heutiger Sicht bester Baustoff verwendet wurde. Baustoff, der entsprechend fachmännisch recycelt, wieder bestes Baumaterial ergibt. Und damit zwar 2. Hand aber beileibe nicht 2. Wahl ist. Von daher spiegeln die für geprüftes, einwandfreies Recyclingbaumaterial häufig verwendeten Bezeichnungen wie Ersatz- oder Sekundärbaustoffe die hierbei anzutreffende Qualität oder auch die weitreichenden Einsatzmöglichkeiten von RC-Material nur recht unzureichend wieder.

Wir sehen die deutsche Gesellschaft an einer Zeitenwende angekommen. Es ist allerhöchste Zeit, dass nun ein Zeitalter des Handelns und Denkens und nicht des fortdauernden Diskutierens und Abwägens aufzieht. Es muss doch möglich sein, Ökologie und Ökonomie bestmöglich unter einen Hut zu bringen. Was heißt dies bezogen auf die Baustoff-Recyclingbranche? Die Zeit sollte vorbei sein, wo nur Natursteinvorkommen abgebaut und ausschließlich diese als Baumaterial verwendet und alles andere nicht akzeptiert wurde.

Die Zeit ist überfällig, dass hier ein Umdenken und ein anderes Handeln flächendeckend einsetzt. Auch geprüftes RC-Material weist eine einwandfreie Qualität auf und muss gleichberechtigt neben Natursteinen zur Verwendung kommen.

Darauf haben wir die zuständigen Staatssekretäre und Ministerialbeamten in Bund und Ländern im Zusammenhang mit der Mantelverordnung und dem Kreislaufwirtschaftsgesetz in etlichen Briefen und Stellungnahmen immer wieder hingewiesen. Natürlich haben zahlreiche andere Branchenverbände dasselbe getan – getragen von ihrer zum Teil ganz anders gearteten Interessenlage. Ein nur vorgeblich gutes Argument fällt in sich zusammen und bleibt letztlich nur hübsch verpacktes Marketing, wenn man die dahinterstehende Interessenlage kennt. Und ein gutes Sachargument bleibt ein gutes Sachargument, egal wer es geäußert hat.

Wir müssen doch aber von Politikern und Fach-Beamten erwarten dürfen, dass sie in der Lage sind, diesen Unterschied zu erkennen und vorgebrachte Argumente zu werten und auch die jeweils dahinterstehende Interessenlage eines Verbandes oder einer Branche zu identifizieren und zu berücksichtigen.
Die Abbruchbranche hat die Kernkompetenz und das Knowhow für die Aufbereitung und den Einsatz von geprüftem RC-Material, weil unsere eigenen Baustellen dafür das beste Material liefern. Die Abbruchbranche geht zuversichtlich ins Jahr 2021. Trotz Krise bei anderen, wir haben Arbeit und unsere Beschäftigten können und wollen arbeiten. Damit kann die Abbruchbranche mit ihrem Können und Wollen aktiven Klima- und Umweltschutz leisten – wenn die Politik sie denn ließe.

Man könnte fast ein Stoßgebet loswerden, wann es endlich eine Greta Thunberg im Recycling geben wird.

Vielleicht wird ja der Tritt aufs Bremspedal, den wir durch die Politik beim Thema RC-Baustoffe aktuell verspüren, mit dem Ergebnis der Bundestagswahl in diesem Jahr durch einen Tritt aufs Gaspedal in Richtung wirklich funktionierender und praktizierter Kreislaufwirtschaft abgelöst.

Von Johann Ettengruber, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Abbruchverbands, Köln

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